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Jährliches Archiv: 2011

“Lamaras Briefe oder vom Untergang des Kommunismus”

“Lamaras Briefe oder vom Untergang des Kommunismus”

ein Briefroman von Helga Kurzchalia (Lichtig Verlag, Berlin 2010)

Nachwort: Lasha Bakradze, Publizist (Staatliches Leonidse Literaturmuseum Tbilissi)

Helga Kurzchalia ist Psychologin und Autorin und lebt in Berlin. 2010 ist ihr Briefroman „Lamaras Briefe oder vom Untergang des Kommunismus“ im Berliner Lichtig Verlag erschienen. Der Roman besteht aus der Korrespondenz einer georgischen und einer (zuerst DDR- dann gesamt)deutschen Familie zwischen 1984 und 1996. Auf der einen Seite – Georgien, das in den neunziger Jahren, nach dem Zerfall der Sowjetunion, eine sehr turbulente, ereignisreiche Zeit erlebte. Nach den „ruhigen“ Verhältnisse der späten Breshnew-Ära , der Beginn von Glasnost und Perestroika, dann der Zusammenbruch der Sowjetunion und schließlich die Unabhängigkeit Georgien mit seinen drastischen sozialen, wirtschaftlichen und biographischen Folgen.

Auf der anderen Seite – der Mauerfall, der Zerfall des ostdeutschen Systems, die Wende und deutsche Wiedervereinigung. Die meisten Briefe werden aus der Perspektive von Lamara, einer georgischen Intellektuellen, erzählt: “Mit Lamara gelingt der Autorin Helga Kurzchalia eine außergewöhnlich starke Protagonistin, die in einer Mischung aus Humor, Fatalismus und Lebensbejahung gegen die wachsende innere und äußere Entfernung zwischen sich und den Verwandten in Deutschland anschreibt. Ein Kunstgriff, der dem deutschen Leser nicht nur erlaubt. Eine georgische Sicht kennenzulernen, sondern auch Deutschland “mit fremden Augen” zu betrachten.” (György Dalos) Im Jahr 2007 hat Helga Kurzchalia zusammen mit der Grafikdesignerin Ulrike Brückner “HIER” veröffentlicht, das 2007 im Kunstbuchverlag Veenman Publishers (Rotterdam) erschienen und mit dem Red Dot Award ausgezeichnet worden ist.

2000 erschien ihr Roman „Im Halbschlaf“ (Rotbuch Verlag, Hamburg) Pressestimmen: Dieses Buch könnte auch Mutter Courage heißen. Ein Briefroman, in dem Briefe zwischen Georgien und Deutschland, zwischen Mutter und Sohn, Schwiegertochter, Enkeln und Freunden gewechselt werden. Hauptsächlich aber wird der Briefwechsel von Lamara bestritten, deren Sohn, ein Wissenschaftler, nach Deutschland geheiratet hat, genauer gesagt in die DDR , die damals noch bestand, genau wie die Sowjetunion; aber am Ende bestehen sie beide nicht mehr, denn in der Zeit dazwischen, von 1984 bis 1996, haben sich welthistorische Ereignisse abgespielt. (SR 2, Barbara Honigmann) Wenn eine hervorragende Charakteristik von Helga Kurzchalias Roman die enge Verknüpfung des Privaten mit dem Historischen ist, dann besteht die andere in der Person der Korrespondentin auf Tbilissi … Dabei verfügen Lamaras Kommentare zu den um die Familie herumtobenden Elementen der „Weltgeschichte“ über einen eigenen stilistischen Wert (www.georgien-aktuell.de, György Dalos) Der Roman handelt in der Tat vom Untergang des Kommunismus. Selten ist der treffender geschildert worden. Die LeserInnen spüren seine quälende Agonie in den ersten beschriebenen Jahre und folgen in den darauffolgenden dem Strudel der Ereignisse. (AVIVA, Anetta Kahane)

26. Juli 2011  |    |  0 Kommentare »  |  Artikel empfehlen

ES WAR NICHT MEIN SOHN

ES WAR NICHT MEIN SOHN

 

Eine Erzählung von Vahe Avetian


Meine persönlichen armenisch-türkischen Beziehungen begannen in den 1962-70er Jahren, auf dem Hof meines Großvaters in meinem Heimatdorf Chawus. Die ersten sechs Jahre waren eine Phase der Gehirnwäsche, und dann kam die Phase der aktiven Handlungen.

Ich war eigentlich immer eher ein Praktiker; d.h. etwas zu sagen und etwas zu tun passierte bei mir fast gleichzeitig. Ich bin natürlich gar nicht davon überzeugt, dass so ein Charakter von Vorteil ist, aber ich denke, gerade diese Eigenschaft meines Charakters hat mich schon im Alter von sechs-sieben Jahren zur Tätigkeit in die Sphäre der armenisch-türkischen Beziehungen gedrängt.

Ich wusste schon alles: über Massaker, über Noah, Ajk, Bela, Wardan Mamikonjan, Wassak, Merudzhan und Sjuni, folglich: Arzruni, Musch, Taron, Wigen Babajan, selbstverstendlicherweise auch über Karabach, Stepan Satikjan…und folglich…usw. usf. … Mit einem Wort: ist endlich jener Tag angebrochen, an dem ich verstanden habe, dass ich nun alles Wissen besitze, um es letztendlich in tatkräftige Kampfhandlungen umzusetzen. Denn gleichzeitig mit dem Erhalt meines Reifezeugnisses bin ich zur festen Überzeugung gelangt: nur mit dem bewaffneten Kampf ist die Rettung des armenischen Volkes möglich. Meine erste Waffe war eine Spitzhacke, meine ersten Kampfgefährten – Arkadik und Rusan, die in der Nachbarschaft lebten. Die Teilnahme war für mich letztlich wichtig unter dem Aspekt, dass ich schon von Kindheit an verstanden hatte: wenn du etwas Schlimmes anrichten willst, sollst du keine Frau mitnehmen.

Arkadik und ich, ausgerüstet mit den Picken, sind in das Kämmerchen der in der Nachbarschaft einsam lebenden alte Türkin Ziba hineingestürmt und haben alles, was drin war, zerschlagen: die Wände, das häusliche Gerät, das Bett, das Geschirr… Am Ende habe ich das große Koran-Buch, das mit der arabischen Schrift vollgeschrieben war, als Trophäe beschlagnahmt; stolz habe ich es nach Hause gebracht, als Beweis meines ersten Sieges im heiligen Krieg. Dieses Koranbuch habe ich allerdings nicht mehr, weil die Frau des Bruders meines Vaters es mir weggenommen hat; und sie sagte dabei:
- Du darfst nicht diesen Schmutz in unser Haus bringen!
Daraufhin hat sie es einfach aus dem Fenster rausgeworfen.

Auf meinem Lieblingshof in Chawus, die alte Ziba, weinend und klagend, sammelte die zerfetzten Koranseiten, die auf dem ganzen Hoff zerstreut waren.
…Ich sah ihr dabeizu – siegreich und stolz – und sagte protzig:-
- Na…Das ist nur der Anfang, warte nur!…

Jahre später nach diesem Fall frage ich mich immer wieder, ob ich mich für meine Tat schämen soll oder nicht…Jedesmal beantworte ich diese Frage mit aller Gewissheit mit „nein“; denn dieses Ungeheuer, der damals den Pogrom gegen die schutzlose alte Frau ausübte, der war nicht mein Sohn, auch nicht mein Schüler.

Aus dem Buch “Armee der Unabhängigkeit”, Jerewan, 2005.

(Deutsche Übersetzung von Rasim Mirzayev)

5. Juni 2011  |    |  0 Kommentare »  |  Artikel empfehlen

Im Elternhaus hat man Altschwäbisch gesprochen

Erschienen in der STUTTGARTER ZEITUNG vom 02.01.2010
Deportation / Margarethe Hüttinger hat zweimal die Heimat verloren und ist spät nach Deutschland gelangt.
Von Eva-Maria Brandstädter

„Geboren bin ich in Helenendorf, und als ich drei Wochen alt war, wurden wir schon deportiert.“ Margarethe Hüttinger kann sich noch gut an die Erzählungen ihrer Eltern erinnern. Im Oktober 1941 ging es mit dem Schiff von Baku übers Kaspische Meer nach Turkmenistan, von da aus in Viehwaggons weiter.
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30. März 2011  |    |  0 Kommentare »  |  Artikel empfehlen

Auf gemeinsame Tradition lässt sich bauen

Erschienen in der STUTTGARTER ZEITUNG vom 02.01.2010
Auswanderer / Kontakte nach Aserbaidschan werden neu belebt.
Von Eva-Maria Brandstädter

Auf der einen Seite an die Berge geschmiegt, auf der anderen umgeben von Weingärten bis zur Flussniederung liegt ein deutsches Winzerdorf. Die Häuser mit den geschnitzten Veranden sind frisch gestrichen, von gepflegten Alleebäumen gesäumte Straßen führen zur Ortsmitte, wo Schule und Gemeindehaus eine neugotische Kirche flankieren. Im Oberdorf ragen die Minarette einer Moschee in den Himmel. Eine Szenerie, wie sie für die einen Wunschbild, für andere Albtraum sein mag.
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30. März 2011  |    |  0 Kommentare »  |  Artikel empfehlen

О пользе и вреде историков для жизни или Уроки преподавания национальной истории в средней школе

Аббасов Ильгам

Введение

В этой статье я хочу поговорить о той теме, которой меня интересует уже довольно давно. Речь пойдет о том, как, в каких контекстах преподносят материалы представленные в школьных учебниках сами учителя, какие идеи они считают правильными для прививания школьникам и т. п. Подчеркну, что учебники создаются профессиональными историками.
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13. Januar 2011  |    |  0 Kommentare »  |  Artikel empfehlen

Преподавание истории в Грузии: до и после реформы

Кетеван Какителашвили

В пост-Советский период положение преподавания истории в Грузии претерпело серезные изменения.
Как известно, в Советский период история преподавалась по единой союзной программе и соответствующим учебникам, которые создавались в Москве и переводились на языках народов СССР.
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13. Januar 2011  |    |  0 Kommentare »  |  Artikel empfehlen

Трудный выбор Южного Кавказа: интеграция, история, права человека, миротворчество

Али Абасов

Южный Кавказ (ЮК) продолжает пребывать в вынужденной стагнации: заморожены не только конфликты, но и в целом общественно-политическая жизнь региона. Прежде всего сложившаяся ситуация сказывается на процессах демократизации, сворачивание которых в регионе происходит с разной интенсивностью, но неуклонно.
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12. Januar 2011  |    |  0 Kommentare »  |  Artikel empfehlen

Модель мира и модель войн: Неизвестные страницы неизвестной войны … и построение мира

Арзу Абдуллаева

Все чаще раздающаяся в последнее время милитаристская риторика из уст представителей властей Азербайджана и Армении кажется абсурдным на фоне ведущихся на высшем уровне мирных переговоров. Раньше я бы восприняла это слишком однозначно.
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12. Januar 2011  |    |  0 Kommentare »  |  Artikel empfehlen

Мы не сможем решить наши проблемы нормального сожительства без взаимосотрудничества

Интервью с директором образовательного
комплекса «Мхитар Себастиаци»,
экс-министром просвещения Армении
Ашотом Блеяном
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12. Januar 2011  |    |  0 Kommentare »  |  Artikel empfehlen

Азербайджан – Армения: взять курс на взаимопонимание и толерантность

Алекпер Алиев

Уxодящее время

Я, конечно же, далек от мысли умалять такой фактор дестабилизации в нашем регионе, как грузино-абхазский конфликт, но, тем не менее, конфликт между Арменией
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12. Januar 2011  |    |  0 Kommentare »  |  Artikel empfehlen

Процесс преодоления конфликта невозможен без преодоления собственныx комплексов

Иракли Чихладзе

Грузия Мы смотрим в разные стороны, убеждая всех, что ищем пути к сближению, ищем общий язык. Кого мы обманываем, как не самих себя? Очень часто получается так, что те, кто раньше жил вместе, сегодня судят друг о друге, основывая свои представления на официальной пропаганде и газетных публикациях.
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12. Januar 2011  |  Thema:  |  0 Kommentare »  |  Artikel empfehlen

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